Wassily Kandinsky in Kallmünz

Gabriele Münter in Kallmünz an der Vilsbrücke

Am 5. Juni 1903 kam Wassily Kandinsky mit dem Fahrrad von Regensburg nach Kallmünz um seine Sommermalschule abzuhalten.

Erst am 17. Mai hatte er an Münter geschrieben: "Nach langem Suchen, endlosen Besprechungen haben wir uns entschlossen nach Kallmünz zu gehen" und sie eingeladen als seine Malschülerin an der Malschule Phalanx teilzunehmen. Auf Kallmünz war Kandinsky durch eine Postkarte aufmerksam geworden. (Der Bergverein hatte seit Ende des 19. Jahrhunderts mit Postkarten auch Tourismuswerbung gemacht, es ist also nicht abwegig anzunehmen, dass Kandinsky eine Ansichtskarte des Bergvereins zu Gesicht bekommen hatte.)

In Kallmünz blieb er mit kurzen Unterbrechungen bis 18. August. Er wohnte zusammen mit seinen Malschülern in der "Roten Amsel". Gabriele Münter war ihm gefolgt und die Beziehung nahm zumindest für sie ernste Formen an. Der spätere Lebensgefährte von Münter, Johannes Eichner schreibt, dass "er (Kandinsky) seiner Leidenschaft nachgab und sich in aller Form mit Gabriele Münter verlobte, im August." Kandisky kaufte Verlobungsringe und versprach Ella, wie er seine Geliebte nannte, die Ehe. Dass er bereits verheiratet war wusste Gabriele Münter.

Kandinsky verbrachte die Zeit nicht nur mit Malen nach der Natur, worin er seine Malschüler unterrichtete, er zeichnete viel, machte viele Holzschnitte und lernte Töpfern, vermutlich in der Töpferei Glötzl, Sticken und andere kunstgewerbliche Arbeiten.

Bilder von Kandinsky, die in Kallmünz entstanden hat Gabriele Münter dem Lenbachhaus geschenkt. Nach der Neugestaltung des Lenbachhauses hängen sie aber nicht mehr in der permanenten Ausstellung.

Weitere Bilder von Kandinsky aus Kallmünz sind in den letzten Jahren bei internationalen Auktionen verkauft worden.

Wassily Kandinsky

Lebensdaten:

1866
4. Dezember Wassily Kandinsky wird in Moskau als Sohn eines Teehändlers geboren.

1885-1893
Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Moskau.

1 892
Kandinsky heiratet seine Cousine Anna Semjakina.

1893
Dissertation "Über die Gesetzmäßigkeit der Arbeiterlöhne".

1896
Ablehnung des Angebots einer Professur für Rechtswissenschaften an der Universität Dorpat (heute: Tartu, Estland). Übersiedlung nach München.

1896 - 1900
Studienjahre in München, Bekanntschaft mit Alexej von Jawlensky und Marianne Werefkin
Aufnahme an der Kunstakademie München und Studium bei Franz von Stuck.

1901
Mitbegründer und Präsident der Ausstellungsgruppe "Phalanx". Kandinsky leitet auch die Malschule der Phalanx.

1902
Sommermalschule in Kochel, seine erste Schülerin wird Gabriele Münter
Erste Ausstellung seiner Bilder in der " Berliner Secession"

1903
Sommeraufenthalte der "Phalanx-Malschule" in Kallmünz. Heimliche Verlobung mit Gabriele Münter, das Eheversprechen an sie wird er nicht einhalten.
Besuch der Ausstellung "Secession in Wien".

1904 -1906
Ausgedehnte Reisen mit Gabriele Münter u.a. Tunesien

1906 - 1908
Aufenthalte in Paris und Berlin, auf Empfehlung Max Liebermanns wird Kandinsky Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Ausstellung seiner Arbeiten gemeinsam mit der Gruppe " Die Brücke" in Dresden. Er lernt Rudolf Steiner und seine Ideen der Theosophie kennen.

1908 - 1909
Nachdem Kandinsky zunächst vom Jugendstil und Spätimpressionismus geprägt war, findet er nun in der expressiven Malweise der "Fauves" eine neue Richtung. Aufenthalt in München und Murnau

1909 - 1910
März - Mai: Ausstellung im Salon des Artistes Indépendants in Paris.
Zusammenarbeit von Kandinsky, Münter, Jawlensky und Werefkin in Murnau.

1909
Gründer und Leiter der "Neuen Künstlervereinigung" (München).

1910
Bekanntschaft mit Franz Marc.

1911
Erste abstrakte Ölgemälde, wie "Impression III", das nach dem Besuch eines Konzerts mit Musik von Arnold Schönberg entsteht.
Rücktritt vom Vorsitz der "Neuen Künstlervereinigung".
Bei den Vorbereitungen zur dritten Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung lehnt die Jury Kandinskys "Komposition V" ab. Kandinsky, Marc und Münter treten aus der Künstlervereinigung aus.
Bekanntschaft mit Paul Klee.
18. Dezember: Eröffnung der ersten Ausstellung des " Blauen Reiter" in der Galerie Thannhauser in München.

1912
Kandinsky veröffentlicht sein Buch " Über das Geistige in der Kunst". Ausstellung des Blauen Reiter und erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie "Der Sturm".

1914 Direkt nach Beginn des Ersten Weltkriegs flieht Kandinsky in Begleitung von Münter in die Schweiz und später über den Balkan nach Odessa und Moskau. Münter bleibt zurück.

1915/16
Aufenthalt in Moskau und Stockholm: Letztes Zusammentreffen mit Münter.

1917
Heirat mit Nina Nikolajewna Andreevskaja. Geburt des Sohnes Wsewolod.

1920
Tod des Sohnes. 54 seiner Arbeiten werden auf der XIX. Ausstellung des Gesamtrussischen Zentralen Ausstellungskomitees in Moskau gezeigt.

1921
Rückkehr nach Berlin.

1922
Umzug nach Weimar und Aufnahme der Tätigkeit am Bauhaus auf Einladung von Walter Gropius. Bekanntschaft mit Lyonel Feininger.

1924 Kandinsky, Klee, Feininger und Jawlensky schließen sich zur Gruppe "Die Blaue Vier" zusammen.

1931 Projekt einer keramischen Wandgestaltung für einen Musikraum Ludwig Mies van der Rohes auf der Deutschen Bauausstellung in Berlin. Beginn der Mitarbeit bei den Cahiers d'art in Paris.

1933 Schließung des Bauhauses.
Übersiedlung nach Neuilly-sur-Seine bei Paris.

1936 Teilnahme an den Ausstellungen "Abstract and Concrete" (London) und "Cubism and Abstract Art".

1937 Seine Werke werden als seine Werke als "entartete Kunst" diffamiert und 57 von ihnen werden aus deutschen Museen beschlagnahmt.

1939
Französische Staatsbürgerschaft. Beendigung seiner letzten großen Arbeit, "Komposition X".

1940
Wegen der deutschen Besetzung Frankreichs flieht Kandinsky in die Pyrenäen.

1944
Letzte Ausstellung zu Lebzeiten in der Galerie l'Esquisse (Paris).
13. Dezember: Wassily Kandinsky stirbt in Neuilly-sur-Seine.

Quellen: Gisela Kleine: Gabriele Münter und Wassily Kandinsky
Vivian Endicott Barnett: Das bunte Leben - Wassily Kandinsky im Lenbachhaus

>>> Wikipedia Artikel

Wir arbeiten an einer Dokumentation von Malern in Kallmünz.
Über weitere Informationen zu Wassily Kandinsky in Kallmünz wären wir dankbar.

Bitte unterstützen Sie uns mit Informationen, Hinweisen auf Namen und mit Bildern:
Martin Mayer: 09473 951 55 14
mayer@bergverein-kallmuenz.de

© VG Bildkunst Bonn 13, Das Copyright für die hier aufgeführten Werke von Wassily Kandinsky hält die Eichner Stiftung, vertreten von der VG Bildkunst, Bonn.

 


 

  •   weitere folgen in Kürze