Magnus Zeller in Kallmünz

Der Eintrag im Fremdenbuch der "Roten Amsel" weist einen Aufenthalt von Magnus Zeller in Kallmünz ab 18.6.1935 aus. Als weitere Aufenthalte sind in dem Katalog "Magnus Zeller Entrückung und Aufruhr" jeweils im Frühjahr 1937 und 1939 erwähnt.
Das hier rechts gezeigte Bild hat er selbst als "Biertisch Kallmünz" betitelt. Es ist 1935 entstanden.

Rehe Auch das Bild "Rehe" ist in Kallmünz entstanden.

Über seinen Aufenthalt 18.6. - 20.9.1935 schreibt er an seinen Freund und Mäzen Karl Vollpracht:
"Wir wohnen in einem uralten, aber ziemlich sauberen Gasthof, in dessen Fassade Kugeln aus dem 30-jährigen Krieg und aus den Napoleonkriegen eingemauert sind... Sie werden hier manches merkwürdige Bauwerk finden. Im Mittelalter muss Kallmünz mal wohlhabend gewesen sein, denn man findet Häuser mit reicher Steinornamentik... Das Essen ist gut und reichlich. Zimmer sehr behaglich. Preis höchstens 3 M mit Verpflegung und allem. Von Regensburg fährt täglich 2 Mal ein Autobus hier her... Nebenberuflich beschäftigen wir uns hier als Höhlenforscher. In dem Kalkgestein gibt es sehr viele Höhlen, die zum Teil schon in vorchristlicher Zeit bewohnt waren. Schwärzliche Tonscherben findet man häufig... "

Auch dieses Bild links "Landschaft Kallmünz" ist in Kallmünz entstanden.

1935 war er mit seinem Schüler und späteren Freund Heinz Hindorf in Kallmünz.
In einem Brief schreibt dieser am 10. Sept. 1935 (Zeller ist noch in Kallmünz) an den Lehrer: "Ihre Schilderung des Wirtshauslebens beim Wittmann erregt heftig meinen Wunsch nach Kallmünz zu eilen... Ihre Höhlenforschung nimmt jetzt ja absolut wichtige und interessante Formen an. Schade, dass ich nur aus der Ferne zuschauen kann, wie sie die schönsten Dinge ans Tageslicht befördern."

 

Magnus Zeller gehört zur zweiten Generation der Expressionisten in Deutschland und gilt als einer von deren wichtigsten Vertretern.


Lebensdaten

geboren in 1888 Biesenrode bei Mansfeld (Südharz)
gestorben 1972 Berlin/Ost

Magnus Zeller wuchs als Kind einer protestantischen Pfarresfamilie in Biesenrode im Südharz auf.
1901 mit seinen Eltern in Magdeburg
ab 1906 Berlin
von 1908 bis 1911 Studium der Malerei und Plastik bei Lovis Corinth
1912 erste Ausstellung
von 1915 bis 1918 Militärdienst. Dort lernte er den Irrsinn des Krieges „ganz von unten in der Feuerzone und ganz oben in der Etappe“ kennen (Arnold Zweig).
ab 1913 Mitglied der Künstlervereinigung Freie Secession in Berlin und hatte damals
Kontakte zu Karl Schmidt-Rottluff und Freundschaft mit Arnold Zweig.

1920 veröffentlicht Zeller das Mappenwerk "Entrückung und Aufruhr" zusammen mit Arnold Zweig.

Von 1923 bis 1924 unterrichtete er an der Staatlichen Kunstschule in Tartu (Dorpat), Estland. 1926 Reise nach Paris, bei der seine erste Frau Marie an Typhus gestorben ist.

von 1924 bis 1937 l Berlin bzw. in Blomberg/Lippe und ab 1937 in Caputh.

1935 im Sommer erster Aufenthalt in Kallmünz

1935 bis 1936 Stipendium der Villa Massimo in Rom
1937 und 1939 weitere Aufenthalte in Kallmünz

Ab dem Jahre 1938 fand seine künstlerische Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten statt und es entstanden zahlreiche Bildwerke, deren Entdeckung zur lebensbedrohlichen Verfolgung geführt hätte.

In den Jahren von 1946 bis 1947 beteiligte er sich an Ausstellungen.

1951 Abwahl als Vorstandsmitglied aus dem Verband Bildender Künstler der DDR.

Bis zu seinem Tod 1972 beteiligte sich Zeller an weiteren zahlreichen Ausstellungen.

Seine Tochter Helga Helm vermachte der Akademie der Künste Berlin den schriftlichen Nachlass ihres Vaters.

Quellen:
Briefverkehr mit Helga Helm (Tochter von Magnus Zeller)
Briefe Hindorf an Zeller
Dominik Bartmann (Herausgeber): Magnus Zeller, Entrückung und Aufruhr, Katalog zur Ausstellung 29.11.2002 - 9.2.2003, Stadtmuseum Berlin
Wikipedia: Magnus Zeller

Bildrechte genehmigt von Frau Helga Helm.

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Wir arbeiten an einer Dokumentation von Malern in Kallmünz.
Über weitere Informationen zu Magnus Zeller in Kallmünz wären wir dankbar.

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